Das ehemalige Kreuzherrenkloster

Wer waren die Kreuzherren?

Entstehung und Aufgabe:

Im Jahre 1211 gründete Theodor von Celles mit vier Gefährten aus dem Domkapitel von Lüttich in dem Städtchen Hoei an der Maas eine neue Gemeinschaft als alternative Form gemeinsamen Lebens, Betens und Arbeitens gegenüber der verweltlichten Lebensform des Domkapitels in Lüttich. Zur Zeit der Kreuzzüge war bei Theodor die Überzeugung gewachsen, dass man nicht mit Waffengewalt das von Jesus gewollte Reich Gottes verwirklichen kann, sondern durch ein Leben in Gemeinschaft, wie es schon Augustinus in seiner Klosterregel beschrieben hatte. Im Jahre 1248 erhielt die kleine Gemeinschaft von Papst Innozenz IV. ihre offizielle Bestätigung. Ihre Lebensform war eine gemischte (vita mixta), ein Gleichgewicht von Kontemplation und Aktion. Diese Aktivität bestand anfangs in der Sorge für Menschen, die unterwegs waren, z.B. Pilger, Kreuzfahrer, Arme und Kranke. Innerhalb kurzer Zeit verbreitete sich der Orden in Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden. Die Ordensdevise lautete: „In Cruce Salus“ (= Im Kreuz ist Heil). 

Sophia, die Gattin Heinrichs von Hompesch, stiftete am 22. Januar 1491 das Wickrather Kreuzherrenkloster. Es bestand bis zu seiner Auflösung durch die Franzosen 1802. 

Einsatzgebiete: 

Der Orden ist immer klein geblieben, trotz Krisen von außen und innen immer wieder neu aufgeblüht. Heute zählt der Orden weltweit etwa 600 Mitglieder. In Deutschland hatte der Orden 1998 noch 21 Mitglieder, die meisten in Köln, daneben in Wuppertal und Bonn. Weltweit verlagert sich der Schwerpunkt der Aktivität des Ordens in Richtung auf Arbeit unter den Randgruppen der Gesellschaft (Option für die Armen) und die Förderung der mystischen Dimension des Lebens. 

Lebensform: 

Das Leben in einer Gemeinschaft ist immer das Ideal der Ordensmitglieder gewesen. Gemeinsames Gebet, gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsame Freizeiten und regelmäßige Gespräche über die Probleme und die Gestaltung des Zusammenlebens waren Merkmale der Gemeinschaft. Weiterhin hat der Orden von Anfang an eine stark demokratische Struktur gehabt. Die Oberen werden gewählt, die Regel durch Kapitel, bestehend aus gewählten Vertretern, festgelegt. Das gemeinsame Gebet ist traditionell das kirchliche Stundengebet. 

Vortrag von Stadtarchivleiter a.D. Dr. Wolfgang Löhr (PDF zum Download)

Wir freuen uns, an dieser Stelle einen interessanten Vortrag des langjährigen Leiters des Mönchengladbacher Stadtarchivs, Herrn Dr. Wolfgang Löhr, über die Geschichte des Kreuzherrenklosters veröffentlichen zu dürfen. 
Die pdf-Datei hat eine Größe von 63 KB und umfasst acht Seiten.

Die heute noch existierende Klosterpforte des Kreuzherrenklosters (Zeichnung, herausgegeben zum 100-jährigen Bestehen der Sparkasse Wickrath 1986)
Die heute noch existierende Klosterpforte des Kreuzherrenklosters (Zeichnung, herausgegeben zum 100-jährigen Bestehen der Sparkasse Wickrath 1986)

Die Wickrather Prioren

Mit der Zerstörung der alten Pfarrkirche am 26. Februar 1945 ging auch der Pfarrsaal verloren, worin sich die Gemälde der Wickrather Pfarrer und Prioren des Kreuzherrenklosters befanden. Ein glücklicher Zufall sorgte Ende der 80er Jahre für die Wiederentdeckung alter Photographien der Gemälde in Wickrather Privatbesitz. Das Stadtarchiv Mönchengladbach ließ unmittelbar nach Bekanntwerden des Fundes Reproduktionen anfertigen. Unser ehemaliger Messdiener Thomas Wolf, damals Praktikant im Stadtarchiv, wurde beauftragt, alle der Literatur (vor allem H. Trippel Bd. 1) leicht entnehmbaren Informationen zusammen-zustellen. Die daraus entstandenen kurzen Beschreibungen erschienen 1995 im 'Kontakt' und werden nun auch hier vorgestellt.

1. Matthias Neesen (1691 – 1720)

Der Geburtstag dieses bedeutenden Prioren ist nicht zu ermitteln, da er aber am 9. Dezember 1653 in der Überlieferung des Klosters erscheint, dürfte sein Geburtsdatum wohl in der Mitte der dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts liegen.

Bis zu seiner Ernennung zum Prior des Wickrather Kreuzherrenklosters (2. Januar 1691) sind bedauerlicherweise keine weiteren Stationen dieses Mannes bekannt.

Der enthaltsame, fleißige Mann entfaltete eine wahre „Bauwut“ in und um das Kloster herum. Die folgende Auflistung mag dies verdeutlichen:

Erweiterung an Kloster und Kirche

  • Neugestaltung des Chorraumes der Kirche 1694
  • Abschluss des östlichen Kirchengiebels 1694
  • Ausbruch von vier Gewölbejochen in den Nebenschiffen 1700
  • Errichtung des Kirchturmes, Ausgestaltung mit Glocken 1702
  • Ausbau der Seitenschiffe, Bau zweier Kapellen 1705/06
  • Anlegen eines Ganges zwischen Kirche und Kloster 1693
  • Westflügel des Klosters 1697                         

Maßnahmen am Mortersmühlenhof

  • Erneuerung der Stallungen 1705
  • Einfriedung der Gärten 1710
  • Bauarbeiten am Wohnhaus (prioris villa) 1717

Über seine enorme Bautätigkeit – man spricht von 20.000 Reichsthalern, die er „verbaut“ haben soll- vernachlässigte er seine übrigen Aufgaben nicht, sondern er hat auch diese mit außerordentlichem Eifer betrieben. So ordnete er die Klosterbibliothek und legte bei der Verwaltung des Vermögens große Strenge an den Tag, von der er sich selbst nicht ausnahm.

Dem Ruf zum Vikar der Maasprovinz des Ordens und somit zum Stellvertreter des Ordensgenerals folgte er 1715. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er auf dem „Priorshof“, wo er am 26. Mai 1720 starb.

Prior Neesen ((Bild: Stadtarchiv MG 10/40960)
Prior Neesen ((Bild: Stadtarchiv MG 10/40960)

2. Heinrich Sylvester Golt (1720 – 1741)

Heinrich Sylvester Golt wurde um 1682 geboren. Im Wickrather Kloster legte er das Gelübde ab. 1712 findet sich eine Erwähnung, dass er in diesem Kloster sei. Nachdem Prior Neesen verstorben war, übernahm er das Amt des Priors.

Durch die Kriegswirren des 17. Jahrhunderts bedingt hatte das Kreuzherrenkloster Wickrath den Verlust von Einnahmen zu beklagen. 1722 milderte Golt diese Notlage des Konvents, indem er durch Grundstücksgeschäfte dem Kloster langfristige Renteneinkünfte sicherte. Daneben übernahm er die üblichen seelsorglichen Aufgaben. Für das Jahr 1731 ist beispielsweise eine Firmung mit dem Weihbischof in Rheindahlen bezeugt.

Sein Aufstieg innerhalb des Ordens begann schon zu Wickrather Zeiten. Von 1736 bis 1739 war er ebenso wie sein Vorgänger Vikar der Maasprovinz. Ob er mit Prior H. Golt identisch ist, der 1749 im Kreuzherrenkloster Hohenbusch bei Erkelenz nachgewiesen ist, erscheint fraglich. Sicher ist jedoch, dass Golt zum Ratgeber des Provinzialen in Cuyk aufstieg (1749). Ferner scheint er an der inneren Ausgestaltung des Ordens maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Hinweise zu seinem Todesdatum finden sich nicht (wohl nach 1757).

Prior Golt (Bild: Stadtarchiv MG 10/40959)
Prior Golt (Bild: Stadtarchiv MG 10/40959)

3. Adolf Winand Thissen (1741 – 1774)

Adolf Winand Thissen wurde um 1701 geboren. Er legte in Hohenbusch sein Gelübde ab. Dort trat er dann auch als „Professor der Theologie“ in Erscheinung, so hielt er z.B. 1735 eine an Thomas von Aquin angelehnte Lehrveranstaltung, die im Frage-Antwort-Stil abgehalten wurde.

1741 wurde er zum Prior in Wickrath berufen, um den wieder aufflammenden Streitigkeiten mit dem Landesherrn entgegenzutreten. Der sich daraus entwickelnde Religionsstreit ist als „Wickrather Wirren“ in die lokalgeschichtliche Literatur eingegangen. Der Konflikt zwischen dem protestantischen Landesherrn, Freiherrn Wilhelm Otto Friedrich von Quadt, und dem Kloster entzündete sich an nachstehenden strittigen Fragen:

  • Einhaltung der vom Landesherrn angesetzten Buß- und Bettage durch die katholische Bevölkerung
  • Ausübung der katholischen Religion im überwiegend protestantischen Wickrathberg

Quasi einen Nebenschauplatz, der im Verlaufe der Wirren eine tragische Rolle spielen sollte, bildete die Wahrnehmung der Weiderechte durch das Kloster. Im Zuge dieser Streitigkeiten kam es auf beiden Seiten zur Missachtung der religiösen Gepflogenheiten, die sich über Handgreiflichkeiten bis zu einem tragischen Todesfall eines Laienbruders steigerten. Zwei Streitschriften der beteiligten Parteien zeichnen diesen unzeitgemäßen Ausbruch des religiösen Fanatismus in parteiischer Weise nach und lassen so die Person des Prioren in einem jeweils anderen Licht erscheinen. Einerseits wurde A.W. Thissen Streitsucht, Ignoranz und Hochmut vorgeworfen, andererseits wurden ihm Geradlinigkeit und entschlossenes Auftreten gegen die Bedrängung der Katholiken in Wickrathberg bescheinigt.

Nach dem oben erwähnten Tod des Laienbruders, der Schafe zur Weide führte, war eine einvernehmliche Beendigung des Streites nicht mehr möglich, so dass nunmehr die Einrichtungen des Heiligen Römischen Reiches bemüht wurden. Reichskammergericht, Niederrhein-Westfälisches Grafenkolleg und das Königreich Preußen sollten dem Freiherrn zu seinem Recht verhelfen, während das Kloster Hilfe beim kaiserlichen Reichshofrat, Niederrheinisch-Westfälischen Kreis und den benachbarten katholischen Territorien (Kurköln, Herzogtum Jülich) erbat. Das letzte Wort in diesem Nachbeben der Religionskriege des 17. Jahrhunderts hat der Reichshofrat zu Ungunsten des Freiherren von Quadt gesprochen. Die „Wickrather Wirren“ haben über fünf Jahre (1743-1748) die Kräfte zweier für Wickrath bedeutender Persönlichkeiten gebunden.

Hiernach wendete sich A.W. Thissen den normalen seelsorglichen Tätigkeiten zu und erklomm die Karriereleiter des Ordens: 1752 Finanzverwalter des Ordens, 1753 Vikar der Maasprovinz. 1757 hat er sich mit der Mehrzahl der Mitbrüder – unter ihnen befand sich der ehemalige Wickrather Prior Heinrich Sylverster Golt – einer Änderung der Ordensregel widersetzt. Über seine weitere Tätigkeit schweigen sich die Darstellungen aus. Um 1774 ist er verstorben.

Bild: Stadtarchiv MG 10/40958 – Das Bild stammt aus dem jahre 1744. Es stellt Prior Thissen mit einem Bauplan (?) dar.
Bild: Stadtarchiv MG 10/40958 – Das Bild stammt aus dem jahre 1744. Es stellt Prior Thissen mit einem Bauplan (?) dar.

4. Anton Rheimbach (ca. 1774 – 1784)

Wenige Lebens- und Wirkensdaten dieses Prioren sind bekannt: am 7. Dezember 1746 legte er in Wickrath das Gelübde ab, am 20. März 1749 findet er als Bruder des Wickrather Konvents Erwähnung und 1754 ist er als der Trauzeuge des Odenkirchener Präfekten bezeugt.

Es scheint, dass er 1774 das Priorat übernommen hat, das er allerdings nur bis 1782 ausüben konnte. Von da an wurde Rheimbach durch eine „Beinwunde“ an das Bett gefesselt. Die Amtsgeschäfte hatte er dem ältesten Mitbruder übertragen. Im Jahr 1784 erlag er den Folgen seiner Krankheit.

So wenig über Leben und Wirken von Prior Anton Rheimbach gesagt werden kann, um so interessanter ist dessen Porträtdarstellung, denn es bricht mit der Tradition der vorherigen Gemälde. Dies kann an drei Merkmalen verdeutlicht werden:

  • Aufgabe des stilisierten Hintergrunds
  • Realistische Darstellung der Person (Weglassen des Baretts)
  • Tragen der Perücke

Diese Anhaltspunkte zeigen der Einfluss des Zeitgeschmacks. Die Vermutung, dass ein zweiter Maler am Werk war, dürfte nicht zu weit hergeholt sein.

Prior Rheimbach (Bild: Stadtarchiv MG 10/40961)
Prior Rheimbach (Bild: Stadtarchiv MG 10/40961)

5. Conrad Ohoven (1784 – 1794)

Conrad Ohoven, der der letzte Wickrather Prior sein sollte, wurde am 19. Februar 1740 in Wockerath bei Erkelenz geboren. Nach dem Eintritt in das Wickrather Kloster legte er am 24. Juni 1766 dort sein Gelübde ab. In der Folgezeit trat er mehrmals in Erscheinung und übernahm ab 1768 die Finanzverwaltung des Klosters als Prokurator. Am 24. Juni 1784 wählten ihn die Wickrather Klosterbrüder zum Prioren.

Nach der Auflösung des Wickrather Kreuzherrenklosters durch die französische Besatzung übernahm er das Priorat im benachbarten Kloster Hohenbusch. Auch dort verblieb er bis zur endgültigen Auflösung dieses Klosters. Am 5. Januar 1806 verstarb er an den Folgen eines Schlaganfalls.

Das überlieferte Bild Wickrather Herkunft zeigt ihn wohlwollend charakterisiert mit einer Urkunde in Händen. Ein späteres Gemälde Hohenbuscher Provenienz zeigt ihn augenscheinlich etwas magerer.

Prior Ohoven (Bild: Stadtarchiv MG 10/41593)
Prior Ohoven (Bild: Stadtarchiv MG 10/41593)